Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

M 1.69 Verkabelung in Serverräumen

Verantwortlich für Initiierung: Leiter IT

Verantwortlich für Umsetzung: Leiter IT, Planer

Auch und gerade in Serverräumen und Rechenzentren müssen die Grundsätze der strukturierten Verkabelung nach EN 50173-1 "Informationstechnik - Anwendungsneutrale Kommunikationskabelanlagen - Teil 1: Allgemeine Anforderungen" beachtet werden. Eine speziell für Rechenzentren erarbeitete Erweiterung EN 50173-5 ist als Norm-Entwurf erschienen. Die Umsetzung der Anforderungen der Norm wird damit für den Anwender erleichtert.

Die Anforderungen aus dem vorhandenen oder geplanten Netzkonzept der Institution bilden die Grundlage für die Strukturierung der IT-Verkabelung in Serverräumen und Rechenzentren. Die Struktur legt fest, wie die Server vernetzt werden und wie sie an das LAN, an externe Netze und an Provider angebunden werden. In der Institution eingesetzte oder geplante betriebsunterstützende Systeme, wie z. B. Terminalserver, KVM-Switches und SAN/NAS (Storage Area Network, Network Attached Storage), sind vorausschauend zu berücksichtigen. Die Grundlagen für die Struktur der so genannten Access- und Konzentrationsbereiche der IT-Verkabelung in Analogie zu den Gebäudestrukturen mit Etagenverteilern und Gebäudeverteilern sind damit festgelegt.

In größeren Installationen werden häufig Gruppen von Schränken, in denen Server aufgestellt sind, einem "Netzschrank" zugeordnet. Zwischen Netzschränken und den zugeordneten Serverschränken wird eine feste Verkabelung oder eine spezielle Systemverkabelung für Serverräume verlegt. Die Netzschränke wiederum sind untereinander nach Anforderung der Institution verbunden.

Um die Fläche des Serverraums bzw. Rechenzentrums bestmöglich zu nutzen, ist es erforderlich, ein auf die Anforderungen abgestimmtes Raumlayout zu entwickeln. In diesem Raumlayout sind die benötigten Flächen für die Schränke mit den Systemen, die die Institution betreibt (neben Servern auch Speichersysteme und aktive und passive Netzkomponenten), mit Reserven für die Zukunft zu gliedern. Es müssen dabei Sicherheitsaspekte wie die Anordnung der Fluchtwege, Betriebsaspekte wie die Anordnung der Transportwege und auch klimatechnische Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Auf dieser Grundlage kann die Planung der elektrotechnischen Versorgung und der Trassenführung erfolgen.

Die Verwendung eines hochbelastbaren Doppelbodens ist für Serverräume und Rechenzentren zu empfehlen (siehe M 1.49 Technische und organisatorische Vorgaben für das Rechenzentrum ). Wird der Doppelboden in die Luftführung der Schrankklimatisierung mit einbezogen, so sind die Trassensysteme zu berücksichtigen. Durch viele querende Trassen zwischen Frischluftzuführung in den Doppelböden und weiter entfernt davon stehenden Schränken, die eine hohe Wärmelast aufweisen, können "Wärmenester" entstehen. Obwohl die Klimaleistung für den Raum ausreichend bemessen ist, erhalten einige Schränke und die darin stationierten IT-Komponenten zu wenig gekühlte Luft. Das birgt die Gefahr von Ausfällen von Servern oder aktiven Netzkomponenten durch Überhitzung.

Zudem ist unbedingt auf eine nicht staubende Versiegelung des Estrichs bzw. Rohfussbodens zu achten.

Es ist zu empfehlen, so umfassend wie möglich fest zu verkabeln. Dies fördert eine fachgerechte Belegung der Trassensysteme im Doppelboden oder unter der Decke. Server sollten möglichst nicht mit Patchkabeln ohne zusätzliche Trassensysteme an zentral im Raum stationierte Server-Switches angeschlossen werden, auch wenn diese Verkabelungsart in der Praxis häufig angewandt wird. Eine solche "fliegende Verkabelung" ist besonders bei Nachverkabelungen gefährdet.

Auf die Anforderungen der Institution abgestimmte Schranksysteme, in denen Systeme zur Kabelführung und Überlängenablage vormontiert sind, erlauben eine übersichtliche und wartungsfreundliche Kabelführung im Schrank.

Auch wenn nur wenige Schränke vernetzt werden, ist es zweckmäßig, in den Schranksystemen Patchfelder für den Anschluss der Server und eine feste Verbindung dieser Patchfelder an den Netzknoten im Serverraum zu installieren. Wenn eine Neukonzeption ansteht, ist es zum Beispiel zu erwägen, pro Schrank ein Patchfeld für Kupferkabel der Kategorie 6 oder 7 ( CAT -6 oder CAT-7, tauglich für 10 Gigabit-Anschluss) und gegebenenfalls zusätzlich ein LWL-Patchfeld vorzurüsten. Letzteres kann beispielsweise zum Anschluss der Server an Speichernetze dienen. Selbstverständlich ist die Vorrüstung von Schränken auf die Planungen der Institution abzustimmen.

Wenn keine baulichen Gründe dagegen sprechen, ist in vielen Fällen eine Kabelführung über Trassen, die unter der Decke des Serverraums verlaufen, der Kabelführung durch den Doppelboden vorzuziehen. Insbesondere wenn der Doppelboden der Klimatisierung dient, kann eine Doppelboden-Verkabelung die Führung der benötigten Kühlluft beeinträchtigen. Außerdem birgt die Verlegung der Kabel im Doppelboden erfahrungsgemäß die erhöhte Gefahr, dass nicht mehr benötigte Kabel nicht entfernt werden. Bei einer Verlegung der Kabel in gut zugänglichen Deckentrassen ist das Entfernen alter Kabel in der Regel deutlich einfacher.

Prüffragen:

  • Werden die Grundsätze der strukturierten Verkabelung nach geltenden Normen in Serverräumen und Rechenzentren eingehalten?

  • Basiert die IT -Verkabelung auf dem Netzkonzept der Institution und berücksichtigt dabei sicherheitstechnische und betrieblichen Anforderungen?

Stand: 13. EL Stand 2013