Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

M 1.4 Blitzschutzeinrichtungen

Verantwortlich für Initiierung: Leiter Haustechnik

Verantwortlich für Umsetzung: Haustechnik

Die direkten Auswirkungen eines Blitzeinschlages auf ein Gebäude (Beschädigung der Bausubstanz, Dachstuhlbrand u.ä.) lassen sich durch die Installation einer geeigneten Blitzschutzanlage verhindern. Über diesen "Äußeren Blitzschutz" hinaus ist fast zwingend der "Innere Blitzschutz", der Überspannungsschutz, erforderlich. Denn der äußere Blitzschutz schützt die elektrischen Betriebsmittel im Gebäude nicht. Dies ist nur durch einen Überspannungsschutz möglich (siehe dazu M 1.25 Überspannungsschutz ).

Beispiel:

  • Durch Blitzschlag entstand in der süddeutschen Niederlassung eines Dienstleistungsunternehmens ein Schaden an IT-Geräten (PCs, Server, Laserdrucker) in Höhe von ca. 10.000 Euro. Aufgrund dieses Ereignisses wurde das Gebäude mit einem äußeren Blitzschutz ohne inneren Blitzschutz (Überspannungsschutz) ausgestattet. Ein erneuter Blitzschlag führte nun trotz äußeren Blitzschutzes zu Schäden in annähernd gleicher Höhe.

Die seit Oktober 2006 gültige Norm DIN EN 62305 "Blitzschutz" (entspricht den Normen VDE 0185-305 und IEC 62305) ordnet den gesamten Blitz- und Überspannungsschutz neu. Mit einer Übergangszeit von 2 Jahren haben seit dem 01. Oktober 2008 alle vorher den Blitz- und Überspannungsschutz regelnden Normen ihre Gültigkeit verloren.

Jede Institution sollte auf Basis der neuen Norm DIN EN 62305 ein Blitzschutzkonzept erstellen. In Teil 2 "Risiko-Management" beschreibt diese Norm erstmals allgemeinverbindlich den Weg zu einem risikoorientierten Blitz- und Überspannungsschutz. Im Teil 3 wird darin der "Schutz von baulichen Anlagen und Personen", also der äußere Blitzschutz behandelt.

Der äußere Blitzschutz, die Fangeinrichtung (vulgo Blitzableiter), wird hinsichtlich ihrer Wirksamkeit in vier Schutzklassen (auch Lightning-Protection-Level, kurz LPL genannt) unterteilt. Die Schutzklasse IV (LPL IV) hat den geringsten Schutzwert, während eine Fangeinrichtung der Schutzklasse I den besten Schutz bietet. Leicht erkennbarer Unterschied zwischen den 4 Schutzklassen ist die Maschenweite der Fangeinrichtungen. Diese reicht von 20 x 20 m für die Schutzklasse IV in 5 m-Schritten hinunter bis 5 x 5 m für die Schutzklasse I. Für Gebäude mit umfangreicher IT-Ausstattung sollte die Fangeinrichtung mindestens der Schutzklasse II, besser Schutzklasse I entsprechen.

Der durch die Fangeinrichtung zur Erdung abfließende eingeprägte Blitzstrom bewirkt eine entlang der Fangeinrichtung vom Einschlagspunkt des Blitzes zum Erdungspunkt hin abnehmende Spannung. Am höchsten Punkt der Fangeinrichtung kann diese Spannung einige 100.000 Volt betragen. Es ist daher zu beachten, dass gerade in oberen Geschossen eines Gebäudes galvanisch leitende Installationen (Daten, Strom, Wasser etc.) einen ausreichenden Abstand von den Fangeinrichtungen haben müssen. Auch dieser Aspekt ist unter der Bezeichnung Trennungsabstand in der neuen Norm berücksichtigt. Mit Überlegungen zum Schutz gegen kompromittierende Einkopplung hat das nichts zu tun, auch wenn der Aspekt des Trennungsabstandes bisher häufig fälschlich mit dem Schutz gegen Einkopplung von den zu nahe am Blitzableiter liegenden Datenleitungen auf den Blitzableiter gleichgesetzt wurde.

Da der Spannungsabfall entlang der Fangeinrichtung am Erdungspunkt wegen des verbleibenden Erdübergangswiderstandes nie bis auf 0 V sinkt und der Fußpunkt der Fangeinrichtung mit dem Hauptpotentialausgleich des Gebäudes verbunden sein muss, wird das gesamte PE-System des Gebäudes und damit auch der N-Leiter auf diese Restspannung angehoben. Hier sind Spannungen im Bereich von immerhin noch weit über 10.000 Volt zu erwarten. Es werden also Spannungen zwischen N-/PE-Leitern und den Leitern L1/L2/L3 erreicht, die das betriebsübliche Maß von 230/400 V deutlich überschreiten. Damit diese Spannungen den innerhalb des Gebäudes betriebenen elektrotechnischen Einrichtungen nicht schaden, muss als unverzichtbare Folge aus dem Aufbau des äußeren Blitzschutzes der innere Blitzschutz, also der Überspannungsschutz aufgebaut werden (siehe M 1.25 Überspannungsschutz ).

Die installierte Fangeinrichtung muss regelmäßig geprüft werden. Fangeinrichtungen der Schutzklassen I und II sind jährlich einer Sichtprüfung und alle 2 Jahre einer umfassenden Prüfung zu unterziehen. Für die Schutzklassen III und IV sind hier 2 bzw. 4 Jahre vorgesehen. Bei kritischen Systemen also solchen zum Schutz hoch- oder höchst verfügbarer Einrichtungen ist eine umfassende Prüfung sogar jährlich durchzuführen. Erkannte Mängel sind umgehend zu beheben. Selbstverständlich sind die Durchführung der Prüfung, die dabei getroffenen Feststellungen sowie durchgeführte Mängelbehebungen schriftlich zu dokumentieren.

Prüffragen:

  • Ist eine Blitzschutzanlage nach geltender Norm installiert?

  • Ist ein Blitzschutzkonzept vorhanden?

  • Entsprechen die Fangeinrichtungen bei Gebäuden mit umfangreicher IT-Ausstattung mindestens der Schutzklasse II?

  • Wird die Blitzschutzanlage regelmäßig geprüft und gewartet?

Stand: 13. EL Stand 2013