Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

G 2.113 Unzureichende Planung der Netzkapazität beim Einsatz von VoIP

Für den Einsatz von Voice over Internet Protocol (VoIP) wird ein Datennetz benötigt. Dabei können schon vorhandene Datennetze, an denen die Arbeitsplatzrechner und Server angeschlossen sind, oder hiervon unabhängige Datennetze verwendet werden. Ein Hauptargument für die Umstellung von leitungsvermittelnden Telefonlösungen zu VoIP sind aber die geringeren Wartungskosten von nur einer Kommunikationsinfrastruktur, wenn ein bestehendes Datennetz genutzt wird.

Für VoIP sind bisher nur sehr wenig Erfahrungswerte vorhanden, da es sich hierbei um eine relativ neue Technologie handelt. Wenn VoIP eine leitungsvermittelnde TK -Anlage ersetzen soll, kann in der Regel nicht auf die hier gewonnenen Erfahrungswerte zurückgegriffen werden. Dies betrifft besonders das Verhalten der VoIP-TK-Anlage bei einem großen Benutzerkreis.

Die Anbieter der VoIP-TK-Anlagen versuchen, Aussagen zu treffen, wie viele Benutzer mit ihrem Produkt verwaltet werden können. Diese Aussagen sind aber nicht sehr aussagekräftig, wenn ein bestehendes Datennetz genutzt werden soll. Treten hohe Datenmengen von den Arbeitsplatzrechner auf, kann durch die gleichzeitige Nutzung von VoIP das Netz schnell überlastet werden. Bei leitungsvermittelnden TK-Anlagen bestimmt die maximale Anzahl der Ports, an denen Telefone angeschlossen werden können, die Benutzeranzahl.

Je nach der Konfiguration der aktiven Netzkomponenten können bei einer Überlastung bestimmte IP -Pakete bevorzugt weitergeleitet werden. Werden bei einer hohen Netzlast VoIP-Pakete bevorzugt weitergeleitet, kann an den Arbeitsplatzrechnern unter Umständen nicht mehr effizient gearbeitet werden. Werden alle IP-Pakete mit einer gleich großen Priorität versendet, kann die störungsfreie Nutzung von VoIP nicht mehr garantiert werden.

Auch wenn bei der Umstellung auf VoIP das bestehende Netz für die parallele Nutzung von VoIP und regulären Informationen ausreichend dimensioniert wurde, muss dies für zukünftige Konstellationen nicht mehr genügen. Werden neue Mitarbeiter eingestellt, so müssen sie sowohl an ihren Arbeitsplatzrechnern über das Datennetz arbeiten als auch über VoIP telefonieren können. Damit steigt die Belastung des Netzes stärker an und die freien Ressourcen sind schneller aufgebraucht.

Stand: Stand 2006