Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

G 2.11 Unzureichende Trassendimensionierung

Bei der Planung von Netzen, Serverräumen oder Rechenzentren wird oft der Fehler begangen, die funktionale, kapazitive oder sicherheitstechnische Auslegung ausschließlich am aktuellen Bedarf auszurichten. Dabei wird übersehen, dass

  • die Kapazitäten des Netzes und der Rechner aufgrund steigender Datenvolumina oder Einsatz neuer Dienste und Dienstleistungen erweitert werden müssen,
  • Änderungen technischer Standards bauliche oder sicherheitstechnische Anpassungen nach sich ziehen können,
  • Erweiterungen des Netzes aus geänderten betrieblichen Erfordernissen oft nötig werden,
  • neue Anforderungen an das Netz sogar die Verlegung anderer Kabel erforderlich machen.

Beispiele:

  • Eine Erweiterung von Netzen ist nur in dem Umfang möglich, wie es die vorhandenen, verlegten Kabel zulassen oder der zur Verfügung stehende Platz für zusätzliche Kabel erlaubt. Gerade in geschlossenen Trassen (Rohre, estrichüberdeckte Fußbodenkanäle etc. ) ist es trotz noch vorhandenen Platzes oft nicht möglich, zusätzliche Kabel einzuziehen, ohne neue und alte Kabel zu beschädigen. Als Ausweg bleibt dann nur, die vorhandenen Kabel aus der Trasse herauszuziehen und alle Kabel, die alten und die neuen, gleichzeitig neu einzuziehen. Die dadurch entstehenden Betriebsbeeinträchtigungen und Kosten sind beträchtlich.
  • Die Planung eines Rechenzentrums erfolgte zunächst allein unter ästhetischen Gesichtspunkten. Infrastrukturelle und sicherheitstechnische Anforderungen standen im Hintergrund und wurden erst nach der Rohbauerstellung konkreter definiert. Die Fertigstellung des Baus verzögerte sich, weil erforderliche Trassen nicht zur Verfügung standen und Räume nicht bedarfsgerecht dimensioniert oder positioniert waren. Änderungen während des späteren Betriebs waren nur unter großen Umständen zu bewältigen.
  • In einem Unternehmen wurde nach zehn Jahren Betriebszeit eine vollständig neue Netzstruktur und IT -Verkabelung geplant. Auf Nachfrage stellte sich heraus, dass im folgenden Jahr eine Erneuerung der TK -Anlage und der TK-Verkabelung geplant war, die bislang zusammen mit der IT-Verkabelung in derselben Trasse geführt wurde. Ohne Koordinierung dieser beiden Maßnahmen wären doppelte Arbeiten an den Trassen erforderlich geworden und es wären möglicherweise zu kleine Trassen geplant worden.

Stand: 9. EL Stand 2007