Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Einfachere Integration der Online-Ausweisfunktion in Anwendungen

BSI ermöglicht Zertifizierung von eID-Kernels und eIDAS-Middleware

Ort Bonn
Datum 19.06.2017

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat die Technische Richtlinie BSI TR-03124 um Test- und Anwendungsprofile erweitert, auf deren Basis eine Zertifizierung von Softwarebibliotheken zur Integration der Online-Authentisierung mit dem Personalausweis in (mobilen) Anwendungen möglich ist.

Softwarebibliotheken sind eine Alternative zum vollständigen eID-Client - wie etwa der (mobilen) AusweisApp2 - und können von Anbietern genutzt werden, um die Identifizierung mit dem Personalausweis in eigene Apps zu integrieren. Mit einer Zertifizierung wird die korrekte und sichere Funktion der eID-Client-Software sichergestellt.

Die Technische Richtlinie BSI TR-03124 spezifiziert den eID-Client, der den Authentisierungsvorgang mit dem Personalausweis auf Seiten des Nutzers koordiniert. Auch Hersteller entsprechender Softwarebibliotheken (eID-Kernel) können diese nun vom BSI zertifizieren lassen.

Darüber hinaus legt das BSI mit der Erweiterung der Technischen Richtlinie BSI TR-03130-4 den Grundstein für die Zertifizierung der Softwarekomponente für die grenzüberschreitende Identifizierung (eIDAS-Middleware) mit der Online-Ausweisfunktion gemäß eIDAS-Verordnung.

Die eIDAS-Verordnung regelt die rechtlichen Rahmenbedingungen für die gegenseitige Anerkennung von elektronischen Identifizierungsmitteln und Vertrauensdiensten für den Europäischen Wirtschaftsraum. Im Bereich der elektronischen Identifizierung wird hierdurch die grenzüberschreitende Abwicklung von Verwaltungsdienstleistungen auf europäischer Ebene erheblich vereinfacht. So können Mitgliedsstaaten ihre nationalen eID-Systeme bei der EU-Kommission notifizieren.

Während die Notifizierung auf freiwilliger Basis erfolgt, müssen elektronische Identifizierungssysteme nach der Notifizierung von Verwaltungsdienstleistungen anderer Mitgliedsstaaten ab September 2018 verbindlich anerkannt werden.

Zu diesem Zweck stellt Deutschland den anderen EU-Mitgliedsstaaten sowie der EU-Kommission eine Middleware bereit ("German eIDAS-Middleware"). Diese implementiert einen angepassten eID-Server mit einer eIDAS-Schnittstelle gemäß den Vorgaben in Teil 3 der Technischen Richtlinie BSI TR-03130 und realisiert den serverseitigen Bestandteil des Authentisierungsprozesses mit der Online-Ausweisfunktion.

Für den elektronischen Identitätsnachweis können Personalausweise und elektronische Aufenthaltstitel genutzt werden, die ab dem 1. November 2010 bzw. 1. September 2011 ausgestellt wurden. Beide Karten enthalten die Online-Ausweisfunktion: einen Chip mit den gleichen persönlichen Daten, die auch auf der Karte zu sehen sind. Da die Daten immer verschlüsselt übertragen werden, schützt die Online-Ausweisfunktion vor Datendiebstahl und -missbrauch.

Hierzu nutzt die Online-Ausweisfunktion eine starke Zwei-Faktor-Authentifizierung basierend auf "Besitz" (eID-Karte) und "Wissen" (6-stellige PIN), wodurch die Sicherheit der Anwendung gewährleistet ist.

Eine Person hält ein Smartphone und einen Personalausweis in der Hand, um sich elektronisch auszuweisen. Mit dem neuen Personalausweis können sich Bürgerinnen und Bürger über einen eID-Client, wie z.B. der AusweisApp2 des Bundes online ausweisen. Quelle: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

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